Zurück in die Zukunft - Reboot 2016

 

„Zurück in die Zukunft“, das klingt zunächst erst einmal ziemlich abgedroschen, trifft es aber ganz genau.

 

Etwa 2013 begannen wir Infinity zu spielen, was auch gleichzeitig der Anlass für die Gründung unserer kleinen Tabletop-Runde O85 war.

 

Wir waren vier Spieler, Ariadna, Nomaden, Haqqislam, PanO, und trafen uns jeden Sonntag zu einem entspannten, gemeinschaftlichen Spiel.

 

Infinity kam sehr gut an und mit der Begeisterung wuchs auch die Zahl der Miniaturen und Modelle kontinuierlich an.

Nach etwa einem Jahr stellte sich jedoch allmählich eine gewisse Routine ein und mit dem Erscheinen von Campaign Paradiso wurden schließlich unsere Grundfesten arg erschüttert. Was war passiert?

 

Zunächst einmal spielten wir immer das gleiche Szenario: „Es kann nur Einen geben!“, also bis zum bitteren Ende bzw. Rückzug des geschundenen, unterlegenen Gegners. Gut, das war ohne Frage unser Fehler, aber auch Corvus Belli hatte bis dato keine wirklich sinnvollen Szenarien zu ihrem Spiel beigetragen. Dadurch wurde das Spiel letztendlich auch ziemlich einseitig, denn Experten, wie Hacker, Ingenieure, ja selbst Ärzte und Artilleriebeobachter wurden ziemlich unwichtig, wenn man doch für die gleichen Punktekosten einen effektiveren Kämpfer bekam.

 

Campaign Paradiso stellt nun dies alles auf den Kopf und war mit unserer bisherigen Spielweise inkompatibel. Im Nachhinein betrachtet, kann man sagen, dass man mit Paradiso sehen konnte, wohin die Reise von Infinity eigentlich gehen sollte, doch der Grundstein dazu war noch nicht wirklich gelegt und kam erst mit der Überarbeitung der Regeln, mit N3.

 

Erschwerend kam hinzu, dass das alte Werk viel zu viele Unstimmigkeiten hatte, wie sich nach und nach immer mehr herausstellt. So gab es beispielsweise einen ariadnischen Luftlander, Van Zant,  der aber seine Fähigkeiten regelkonform nie wirklich einsetzen konnte, eine Truppe, die wie eine Schar aufgescheuchter Hühner wild und planlos umherlirf sobald ihr Leutnant mal eben nicht ansprechbar war, ein Sperrfeuer, was in der Praxis völlig unbrauchbar war, überstarke Link-Teams (wer jetzt keinen Link mehr spielte war selber Schuld) und und und…

 

Letztendlich führte das Alles dazu, dass der Spielspaß immer mehr sank und dafür der Frust immer mehr zunahm. So kam es, dass wir nach einigen letzten, schleppenden, unbefriedigenden Spielen Infinity schließlich an den Nagel hängten und uns anderen Systemen widmeten.

 

Corvus Belli brachte in der Zeit, wie jetzt ja noch immer, eine Miniatur nach der anderen heraus und eine war schöner als die andere. Keine Frage, das Miniaturendesign ist erstklassig, aber das machte unseren Frust eigentlich nur noch größer, denn was soll ich mit tollen Miniaturen anfangen, wenn das eigentliche Spiel nicht stimmt?

 

So ging dann einige Zeit ins Land, bis N3 erschien. Mit zu Recht einiger Skepsis wurde das neue, komplett überarbeitete Regelwerk, begutachtet. Was soll man sagen? Corvus Belli hat wirklich ganze Arbeit geleistet und auch mit Resonanz der Spieler ein wirklich erstklassiges Regelwerk abgeliefert. Alles was einem zuvor so schwer im Magen lag, wurde geändert, verbessert oder gestrichen. Unstimmigkeiten wurden beseitigt und es gab sogar einige wirklich sinnvolle Neuerungen. Wie waren allerdings noch nicht bereit, sofort wieder ins kalte Wasser zu springen und unsere Figuren aus der Vitrine zu holen, außerdem hatten wir auch mittlerweile ein paar andere nette Systeme auf der Platte, sondern warteten erst einmal ab, das Ganze aber immer beobachtend im Auge behaltend. Corvus Belli setzte seinen Kurs fort und warb mit neuen Minis, Boxensets, etc. fleißig neue Spieler. Dann erschien die deutsche Übersetzung von N3. Auch hier kann man nur sagen: Excellent! Ein sauber geschriebener Text mit sinnvollen Regelerläuterungen, zahlreichen Beispielen und Grafiken und endlich auch Missionen. Jetzt erschien das Spiel in einem ganz anderen Licht, denn statt nur bloßem Kämpfen waren plötzlich die Spezialisten gefragt und wurden zu den wichtigsten Leuten der Truppe! Jetzt gab es kein Halten mehr und wir wagten einen Neustart und zwar eine richtigen Neustart: Den Stecker ziehen, alles ganz von Vorn – Reboot!

Dieser Neustart wurde unter anderem deswegen ganz bewusst gemacht, weil sich wirklich überall im Regelwerk auch kleinere Dinge geändert haben und um diese nicht zu übersehen und wieder in alte und auch falsche Spielmuster zu verfallen, war dies unumgänglich. Also setzten wir uns wie die Frischlinge hin, stellten unsere Minis auf und begannen mit dem Regelbuch auf dem Schoß zu spielen und wir spielten endlich Missionen!

Es funktionierte auch endlich so einiges, was früher nicht klappte oder völlig unbefriedigend war,  so konnte beispielsweise der zuvor erwähnte ariadnische Luftlander nun endlich gespielt werden, das Sperrfeuer wurde wirklich gut gelöst, die zuvor teils lächerliche Abweichungsregel gründlich überarbeitet, und nicht zu vergessen die völlig überarbeiteten Hackerregeln, die nun bisher in dieser Art völlig unbekannte Spieleffekte und Mechanismen ermöglichen; schon fast ein Spiel im Spiel.

 

Bereits nach zwei Spielen hatte uns das alte Fieber wieder gepackt und die Skepsis war Begeisterung gewichen. Noch Anfang des Jahres hätten wir das nicht für möglich gehalten und jedem gesagt der uns mit Inifinity hätte behelligen wollte : „Nicht mehr in diesem Leben, damit bin ich fertig!“, aber nun kramten wir unsere unfertigen Restbestände an Silberlingen oder gar noch originalverpackten, ungeöffneten Minis wieder heraus und kauften uns sogar wieder neue Figuren dazu! (Und ich hatte schon all meine Restbestände sauber aufgelistet, um sie zu verkaufen! Gut das es um Haaresbreite nicht dazu gekommen ist!)

Fazit:

Infinity N3 ist ein Science-Fiction-Skirmisher, mit viel Potential, ungeheuerer Tiefe und stimmigen, verständlichen Regeln. Bis man seine Fraktion in all ihren Feinheiten wirklich ausgeschöpft hat, kann viel Zeit und viele Spiel ins Land gehen, aber der Spielspaß ist bereits von Anfang an garantiert. Die fantastischen Modelle und Sonderboxen, wie die Dire Foes, Icestorm, USAradna und Red Veil, tun ihr Übriges dazu.

 

Wir sind wieder zurück, zurück in der Zukunft!

 

Nachtrag:Unsere Spielertruppe ist mittlerweile leider auf zwei Spieler geschrumpft, was uns aber den Spaß nicht nimmt.

Leute, Infinity rockt wieder...aber richtig!